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Hornbrille
Eine Hornbrille ist ursprünglich die Bezeichnung für eine Brille mit Brillengestell aus Hirsch- oder Rinderhorn. Mittlerweile ist daraus jedoch ein Gattungsbegriff geworden, der allgemein dunkle, klobige Brillengestelle bezeichnet, die heute meistens aus Celluloseacetat hergestellt werden.Die Hornbrille als vorherrschende Brillenform fand lange Zeit nur noch wenig Verbreitung. In den fünfziger und sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts war das anders. Es ließ sich eine weite Verbreitung in Politik- und Wirtschaftskreisen feststellen. Prominente Hornbrillenträger waren damals Henry Kissinger, Hanns Martin Schleyer, Herbert Wehner, Erich Honecker und Buddy Holly. Insbesondere Hans-Jürgen Wischnewski wurde derart mit seiner Hornbrille assoziiert, dass Hornbrillen von besonders üppiger Schwere als Wischnewski-Brillen bezeichnet wurden.Trotzdem wurde die Hornbrille etwa ab den ausgehenden 1960ern allmählich durch elegantere und unaufdringlichere Metallfassungen verdrängt. Sie erhielt deshalb auch den spöttischen Beinamen "AOK-Gestell" oder "Kassengestell", da sie im Gegensatz zu den anfangs noch deutlich teureren Designer-Fassungen voll von den Krankenkassen finanziert wurde.Im Zuge dieses Negativ-Images wurde die Hornbrille zeitweilig zu einer Art Erkennungszeichen in der stereotypen Darstellung von Klassenstrebern, deren Außenseiter-Status mit diesem Accessoire unterstrichen werden sollte - oft von Heftpflaster zusammengehalten. Im Film Woody, der Unglücksrabe parodiert Woody Allen dieses Image der Hornbrille (die auch für ihn zum Markenzeichen wurde): Als Running Gag zerstören andere Kinder regelmäßig als zusätzliche Demütigung seine Brille, nachdem sie ihn verprügelt haben, bis er schließlich selbst seine Brille zertrampelt, um so den Schikanen zu entgehen. In den Superman-Comics wurde bereits Anfang der 1930er Jahre der schüchterne Clark Kent - die Tarnidentität von Superman - zur Abgrenzung gegen sein heldenhaftes Alter Ego als Hornbrillen-Träger dargestellt.In jüngerer Zeit erlebt die Hornbrille im Rahmen diverser Retrotrends als modisches Accessoire trendbewusster Jugendlicher und junger Erwachsener eine Renaissance, die durch prominente Vorbilder wie Götz Alsmann begünstigt wird.